Aktualisiert: 04.05.12

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Einleitung              Funktion & Technik              Indikation & OP              Nach der OP

 

Um zu verstehen, wie ein Cochlea-Implantat funktioniert, muss man zuerst wissen, wie das Hörorgan arbeitet, da es dieses ja funktional ersetzen soll. Schauen wir uns also zunächst das menschliche Ohr etwa genauer an:

 

Aufbau und Funktionsweise des Hörorgans

 

Das menschliche Hörorgan wird in Außen-, Mittel- und Innenohr unterteilt.

Zum Außenohr gehören die Ohrmuschel und der Gehörgang. Es dient, ähnlich einem Trichter, der Schallaufnahme und -weiterleitung an das Mittelohr. Der Gehörgang wird durch eine dünne, häutige Membran - das Trommelfell - abgeschlossen.

An der Rückseite des Trommelfells setzt die aus den drei winzigen Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel bestehende Mittelohrkette an. Diese Gehörknöchelchen sind innerhalb eines luftgefüllten Hohlraumes im Knochen - der sogenannten Paukenhöhle - frei schwingend an Sehnen aufgehängt. Trommelfell und Gehörknöchelchen bilden das Mittelohr und dienen der Schalleinkopplung in das Innenohr.

Den Eingang zum Innenohr bildet die Steigbügelfußplatte, eine dünne, knöcherne Membran. Das Innenohr hat die Form eines Schneckenhauses und ist mit einer wässrigen Flüssigkeit gefüllt. Der lateinische Name der Gehörschnecke ist Cochlea.

Im Innenohr findet eine Umwandlung der mechanischen Schwingungen in elektrische Nervenimpulse statt. Dieser Transformationsmechanismus ist sehr komplex und wird von ca. 25.000 Sinneszellen - den sogenannten Haarzellen - vollzogen, an die die einzelnen Hörnervenfasern angekoppelt sind. Die von den Haarzellen erzeugten elektrischen Pulse werden dann über den Hörnerv zum Gehirn weitergeleitet.

Im Innenohr werden die grundlegenden Merkmale des Schallereignisses wie Frequenz (Tonhöhe) und Pegel (Lautstärke) codiert, d.h. die elektrischen Impulsmuster enthalten Informationen darüber, ob ein Ton hoch oder tief bzw. laut oder leise ist.

 

Aufbau und Funktionsweise eines CI-Systems

 

Anders als ein konventionelles Hörgerät ist das Cochlea-Implantat keine Hörhilfe sondern eine Hörprothese. Es dient nämlich nicht der Schallverstärkung im Sinne einer Unterstützung des Ohres. Vielmehr ersetzt es funktional das Ohr, indem es direkt den Hörnerv elektrisch reizt.

Hierzu muss eine Reizelektrode möglichst nahe an die Hörnervenfasern herangebracht werden: Sie wird durch eine Operation in die flüssigkeitsgefüllten Hohlräume der Hörschnecke eingeführt.

Das CI-System kann jedoch aufgrund technologischer Probleme mit Mikrofon und Energieversorgung bislang nicht komplett implantiert werden. Es besteht deshalb aus internen und externen Komponenten:

Über ein Mikrofon werden die Schallschwingungen aufgenommen. Ein hochspezialisierter Minicomputer - der sogenannte Sprachprozessor (1) - übernimmt die sonst im Innenohr stattfindende Frequenz- und Lautstärkecodierung und berechnet ein entsprechendes elektrisches Impulsmuster. Diese Information wird von der durch einen Magneten gehaltenen Sendespule (3) durch die Haut zum Implantat übertragen. Das Implantat prüft die empfangene Information und reizt über die Elektrode (4) in der Cochlea (5) den Hörnerv (gelb dargestellt).

 

CI-Technik im Detail

 

Drei Hersteller von CI-Systemen teilen sich den internationalen Markt: Advanced Bionics (HiRes, Harmony), Cochlear (Nucleus Freedom) und MED-EL (Pulsar, Sonata, Opus).

Zwar unterscheiden sich die Implantate leicht in ihren technischen Eigenschaften, das Prinzip der Signalverarbeitung ist jedoch bei allen das selbe: Zuerst wird das akustische Signal in verschiedene Frequenzbereiche zerlegt. Den Frequenzbereichen sind verschiedene Elektrodenkontakte zugeordnet, die sich mehr oder weniger weit in der Cochlea befinden und entsprechend ihrer Position eine höhere oder tiefere Tonhöhenempfindung hervorrufen. Auf jedem einzelnen Elektrodenkontakt wird dann ein Strom erzeugt, der den zeitlichen Verlauf des zugehörigen akustischen Signals möglichst gut nachbildet.

Bezüglich des Sprachverständnisses gibt es im Mittel über alle Patienten keinen wesentlichen Unterschied zwischen den verschiedenen Systemen. Da es auch keine Möglichkeit gibt, durch Voruntersuchungen herauszufinden, ob ein bestimmtes Implantat für einen bestimmten Patienten besser geeignet wäre als die anderen, werden selten alle 3 Systeme in einer Klinik verwendet.

Bis Ende der Neunziger Jahre hatte der Sprachprozessor noch die Größe einer Zigarettenschachtel und musste deshalb am Gürtel oder von Kindern in einem kleinen Rucksack auf dem Rücken oder vor dem Bauch getragen werden. Inzwischen sind jedoch von allen drei Herstellern bereits in zweiter Generation Geräte auf dem Markt, welche komplett hinter dem Ohr getragen werden können.

Die in Bochum überwiegend verwendeten Systeme werden standardmäßig mit handelsüblichen Zink-Luft-Batterien betrieben, wie sie auch für Hörgeräte Verwendung finden. Damit erreichen sie eine Laufzeit von 4 - 5 Tagen und das Gewicht liegt um 15 Gramm. Durch die abnehmbaren Batteriefächer sind die Sprachprozessoren besonders gut für sehr kleine Kinder geeignet, durch die übersichtliche Fernbedienung besonders gut für ältere Patienten.

Der Preis eines CI-Systems liegt um 27.000 EUR und wird ebenso wie die Batterie- und Reparaturkosten vollständig von der Krankenkasse übernommen.

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